Zuerst wollte ich meinen Blog ja „Frau Krenzer bloggt“ nennen, aber dann dachte ich, dass dieses „Frau Krenzer“ erstens zu weit von mir weg ist, zumindest von dem, was ich über mich sagen möchte, und andererseits, mal ausgehend von meiner potentiellen Leserschaft, dass „Frau Krenzer“ ja nun nicht alles ist. Ich bin gerne „Frau Krenzer“, aber eben nicht nur. Ich könnte auch gut ohne, aber dazu vielleicht später mehr.
„Nicole bloggt“ ist auch deswegen gut, weil „bloggt“ wie
„blockt“ klingt („Oho! Wäre ich ja nie drauf gekommen!") und das zu „Nicole“
passt. Nicole blockt tatsächlich viel. Ich definiere mich viel mehr über das,
was ich nicht mag, als über das, was ich mag. Gleichwohl kann es anstrengend
sein, mit mir in die Stadt zu gehen, weil ich ungefähr alle zwei Minuten sage:
„Schau mal, das ist toll!“ oder „Oh, wie schön!“ o.ä., oft noch kombiniert mit
„Das will ich haben!“. Ich bin überhaupt das material girl, auch wenn ich ganz
entschieden die sogenannten innere Werte auf den Platz fordere. Nehmt mir alles
weg, was ich so angehäuft habe, ich könnte auch im Kartoffelsack zufrieden
sein. Trotzdem finde ich die zertifiziert ökologisch und fair produzierte
Leinenhose für 160€ extrem geil und werde sie vor dem Sommer noch kaufen und
Mama über den Preis anlügen.
Ich lebe im Spannungsfeld der Extreme. Ständig suche ich
nach Ausgleich, ebenso ständig provoziere ich extreme Reaktionen, bei mir und
bei anderen, z.T. bewusst. Keine Ahnung, warum. Ein bisschen macht es mir auch
Spaß. Wahrscheinlicher suche ich aber nach Wahrheit und strebe nach Erkenntnis
(ja! Ehrlich!) (hysteron proteron, um mal wieder Stilmittel zu üben, die ich
ständig vergesse, aber unterrichten muss… „Frau Krenzer“ lässt grüßen.), die
überhaupt ja nur in der Schnittmenge aller Meinungen durchschimmern kann. Ich
halte es da mit Sokrates. Generell finde ich, dass die alten Griechen und Römer
schlauer waren als wir heute. Immer mehr bevorzuge ich das begrenzte,
überschaubare Leben in kleinen Einheiten wie das der antiken Polis; die
unbegrenzten Möglichkeiten, die sich uns Heutigen aufdrängen, widern mich
zunehmend an. Ich kann sie genießen und ich bin auch froh, heute hier und jetzt
zu leben, auch und vor allem als Frau, aber Entschleunigung, um ein populär
gewordenes Wort zu benutzen, täte uns allen gut, glaube ich. Zurück aufs Dorf,
ohne dass ich da jemals wieder hinzöge. Da sind sie vielleicht, die Extreme.
Ich hab’s auch schon mit Yoga versucht, Balance und so, aber als mein Nebenmann
im Kurs furzte, war’s um mich geschehen. Lachanfall erster Güte. Musste gehen,
hab‘ die Meditation der anderen gestört.
Die alten Weisen haben mich geprägt. Es gibt meiner Meinung
nach nichts Erhabeneres als das Gedankengut der Stoa. Die, die mich „Frau
Krenzer“ nennen, werden jetzt mit den Augen rollen. Egal, da müsst ihr durch.
Genauso, wie jeder, der mich kennt, „Frau Freitag“ kennt. Mein Alter Ego,
möchte ich fast sagen. Monika Rinck muss man auch kennen, nicht zwangsläufig in
der Verbindung mit mir, aber ihre erstaunliche Sprachgewalt sollte einen viel
größeren Radius erreichen. Aber seltsam war sie schon, als ich sie live gesehen
habe. Profunde Denkerin, grandiose Sprachkünstlerin. Ich unterstelle ihr
depressive Phasen. Bestimmt hat sie keinen Mann, aber drei Katzen, die sie
hingebungsvoll mit ihrer Mama zusammen pflegt.
Das ist kein Vorwurf. Sehr wahrscheinlich ist das auch meine
Zukunft. Ich bedaure das nicht, gibt echt Schlimmeres. Solange da Freunde und
Bekannte sind, ist alles safe. Auch die depressiven Phasen. Manchmal rutsche
ich ins Nihilistische ab: Was für einen Sinn hat das alles? Und rein, wie ich
meine, rational gesehen, hat es wirklich keinen. Klar, jetzt kann ich sagen:
„Das Leben hat den Sinn, den du ihm gibst.“ So arg kluge, ich möchte sagen,
amerikanische Sprüche finde ich ja prinzipiell doof (genau wie Selfies mit so
Sprüchlein dabei – gääähn), aber natürlich stimmt das. Wüsste trotzdem keinen
Lebenssinn anzugeben, wenn ich mich jetzt dazu zwänge. Aber egal. Macht mir nix
aus. Wenn die Sonne scheint und ich den Bauch voll habe, ist das Leben eh leichter.
Einmal möchte ich ins Kloster gehen, ins Schweigekloster, so
eine Woche. Habe Angst vor den gut vergrabenen und verdrängten Gefühlen und
Gedanken, die dann aufkommen, hoffe aber auf Katharsis. Wie in so einer
griechischen Tragödie. Antigone ist übrigens auch ziemlich geil. (Die Alten,
jaja. Alternativ wäre ich auch ein gutes Modell für Rubens gewesen. Schade,
dass man nicht in den Zeiten hin- und herspringen kann. Zeitreisen, das wäre
was. Ich würde auch in das 15./16. Jahrhundert wollen, Zeit des Aufbruchs, wie
genial muss das gewesen sein! Alternativ wäre ich auch damit zufrieden, ein
Vogel zu sein. Aber ein etwas größerer, vielleicht eine Krähe, die glänzen so
schön.) Und den Jakobsweg will ich gehen, aber das muss richtig gut geplant
sein und dafür hatte ich noch nicht den endgültig entscheidenden, großen Drang.
Ein eigenes Café steht auch auf der Agenda fürs Leben, da hab‘ ich neulich nach
Ladenflächen geguckt, aber es gab nix, was ich für geeignet hielt.
Planen ist sowieso ganz wichtig. Spontaneität konnte mich
noch nie wirklich überzeugen. Bin umgekehrt zwar noch nie wirklich auf die
Schnauze geflogen, wenn ich spontan war, aber Pläne finde ich beruhigend. Man
muss es ja nicht auf die Spitze treiben und für die nächsten sechs Monate
wissen, an welchem Wochenende man welchen Freund besucht, aber so einen roten
Faden für die Wochenplanung, das mag ich. Aber dann bitte nichts
Unvorhergesehenes, ja? Danke.
Ich benutze oft dieselben Floskeln, vor allem „wie gesagt“.
Ich hoffe, das fällt nicht so auf.
Wenn ich wütend bin, werde ich sehr aggressiv. Der Dritte
Weltkrieg kann da jederzeit ganz schnell aus dem Hut gezaubert werden, die
Urkunde liegt stets fertig unterzeichnet da. Dasselbe gilt, wenn ich Hunger
habe. Gebt mir Essen und ich bin lieb zu euch. Vom Kaffee bin ich ein bisschen
abgekommen, aber eine Tasse am Tag muss sein, weil sonst Kopfschmerzen aus der
Hölle. Bin, by the way, auch Migränepatient. Kommt vom Denken und ewigen Anstoß
nehmen, sage ich mir immer, genau wie die Tatsache, dass mich im wahrsten Sinne
des Wortes alles juckt. Meine Haut ist ein Spiegel meiner Seele und meines
Kopfes. Wenn ich irgendwann mal das Gefühl habe, alleine nicht mehr
klarzukommen und mich in meiner Welt verstrickt zu haben, dann werde ich zum
Psychiater gehen. Ich weiß schon, wo. Der Heilpraktiker hat nur marginal
geholfen.
Seit Jahr und Tag hadere ich mit meinem Körper. „It’s the
greatest instrument you’ll ever own“, ich weiß das, aber entsprechend gepflegt
habe ich ihn nie. Dafür immer mit ihm geschimpft. Ich versuche gerade, dieses
Verhältnis ins Positive zu wenden, wir reden mehr miteinander, mein Körper und
ich, aber wir sind weit davon entfernt, Freunde zu sein. Das wird noch lange
dauern.
Ich liebe es, wenn andere sich, für meine Augen und Ohren,
schön ausdrücken. Ich bin nie neidisch (bin ich sowieso nie, was ich für einen
großen Segen halte; ich kann auch immer gut schlafen, egal, was ist, was ich
als den noch größeren Segen empfinde), ich würde dann nur auch gerne so können.
Das Wort ist mir ohnehin das Wichtigste. Aber Schweigen ist auch super, siehe
oben. Zum Glück konnte ich immer so denken und fühlen, dass alles, was mir
widerfährt, einen Sinn hat. Ich bin kein Zweckoptimist, ich bin Optimist. Passt
schon, alles. Ich frage mich immer, warum jemand etwas Bestimmtes tut, aber ich
habe mich noch nie ernsthaft gefragt, warum mir eine Sache widerfahren ist. Und
wenn doch, dann, muss ich zugeben, wollte ich meine Emotionen ausreizen.
Gucken, was geht. Wie tief kann ich absteigen in meine Verzweiflung? Zum Glück
nicht allzu tief. Man darf mich oberflächlich nennen, ich fühle mich vom
Schicksal geküsst. Ich leide nicht am Leben, das ist gut.
Rasend machen mir immer nur andere Menschen. An denen beiße
ich mir regelmäßig die Zähne aus. „Bist du bescheuert?“, wird eine immer öfter
und immer lauter gestellte Frage meinerseits. Die Ursachen und Anlässe können
unterschiedlichster Art sein; zusammengefasst würde ich sagen: Ignoranz. Und
darunter subsumiert Egoismus und Bequemlichkeit. Da blockt Nicoles Geist, das
kann er nicht begreifen. Man muss sich nicht jederzeit und allerorten für einen
anderen aufopfern, aber zwei, drei Gedanken mehr fassen und dann reden bzw.
handeln, das wäre schon echt cool. Grüße an den Penner, der neuerdings täglich
meine Tiefgaragenzufahrt zuparkt. (Hab‘ schon böse Zettel an die
Windschutzscheibe gehängt, aber der Mann zeigt sich renitent. Nicole d’Arc
rüstet sich gerade.)
Ich finde es sinnvoll, einen Blog mit dem Versuch einer
Selbstvorstellung zu eröffnen. Man muss schließlich wissen, mit wem man es zu
tun hat. Und es ist beruhigend, sich gespiegelt zu sehen („Der denkt wie ich!
Vielleicht bin ich doch nicht so bekloppt, wie ich befürchtet habe!“. Das fährt
runter.). Die Aufstellung lässt sich ergänzen, aber ein erster Eindruck ist
geschaffen, denke ich. Was nun noch kommt und wann und wie, das lasse ich mir
offen.
Ach ja, Kommentare wären super. Stichwort "Spiegelung" und so.
Ach ja, Kommentare wären super. Stichwort "Spiegelung" und so.
Liebe Nicole, wie schön - ein Blog von dir war lange überfällig! Ich freu mich schon auf die kommenden Posts. Alles Liebe, Constanze
AntwortenLöschenIch finde die Blogidee ganz wunderbar. Ich finde es auch ganz toll, wie du diese Selbstbeschreibung formuliert hast. Ich freue mich auf die Beiträge, denn deine Facebookbeiträge sorgen immer für einen Lacher und halten zugleich zum Nachdenken an!
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