Dienstag, 1. März 2016

So, da(s) bin ich…






Zuerst wollte ich meinen Blog ja „Frau Krenzer bloggt“ nennen, aber dann dachte ich, dass dieses „Frau Krenzer“ erstens zu weit von mir weg ist, zumindest von dem, was ich über mich sagen möchte, und andererseits, mal ausgehend von meiner potentiellen Leserschaft, dass „Frau Krenzer“ ja nun nicht alles ist. Ich bin gerne „Frau Krenzer“, aber eben nicht nur. Ich könnte auch gut ohne, aber dazu vielleicht später mehr.
„Nicole bloggt“ ist auch deswegen gut, weil „bloggt“ wie „blockt“ klingt („Oho! Wäre ich ja nie drauf gekommen!") und das zu „Nicole“ passt. Nicole blockt tatsächlich viel. Ich definiere mich viel mehr über das, was ich nicht mag, als über das, was ich mag. Gleichwohl kann es anstrengend sein, mit mir in die Stadt zu gehen, weil ich ungefähr alle zwei Minuten sage: „Schau mal, das ist toll!“ oder „Oh, wie schön!“ o.ä., oft noch kombiniert mit „Das will ich haben!“. Ich bin überhaupt das material girl, auch wenn ich ganz entschieden die sogenannten innere Werte auf den Platz fordere. Nehmt mir alles weg, was ich so angehäuft habe, ich könnte auch im Kartoffelsack zufrieden sein. Trotzdem finde ich die zertifiziert ökologisch und fair produzierte Leinenhose für 160€ extrem geil und werde sie vor dem Sommer noch kaufen und Mama über den Preis anlügen.
Ich lebe im Spannungsfeld der Extreme. Ständig suche ich nach Ausgleich, ebenso ständig provoziere ich extreme Reaktionen, bei mir und bei anderen, z.T. bewusst. Keine Ahnung, warum. Ein bisschen macht es mir auch Spaß. Wahrscheinlicher suche ich aber nach Wahrheit und strebe nach Erkenntnis (ja! Ehrlich!) (hysteron proteron, um mal wieder Stilmittel zu üben, die ich ständig vergesse, aber unterrichten muss… „Frau Krenzer“ lässt grüßen.), die überhaupt ja nur in der Schnittmenge aller Meinungen durchschimmern kann. Ich halte es da mit Sokrates. Generell finde ich, dass die alten Griechen und Römer schlauer waren als wir heute. Immer mehr bevorzuge ich das begrenzte, überschaubare Leben in kleinen Einheiten wie das der antiken Polis; die unbegrenzten Möglichkeiten, die sich uns Heutigen aufdrängen, widern mich zunehmend an. Ich kann sie genießen und ich bin auch froh, heute hier und jetzt zu leben, auch und vor allem als Frau, aber Entschleunigung, um ein populär gewordenes Wort zu benutzen, täte uns allen gut, glaube ich. Zurück aufs Dorf, ohne dass ich da jemals wieder hinzöge. Da sind sie vielleicht, die Extreme. Ich hab’s auch schon mit Yoga versucht, Balance und so, aber als mein Nebenmann im Kurs furzte, war’s um mich geschehen. Lachanfall erster Güte. Musste gehen, hab‘ die Meditation der anderen gestört.
Die alten Weisen haben mich geprägt. Es gibt meiner Meinung nach nichts Erhabeneres als das Gedankengut der Stoa. Die, die mich „Frau Krenzer“ nennen, werden jetzt mit den Augen rollen. Egal, da müsst ihr durch. Genauso, wie jeder, der mich kennt, „Frau Freitag“ kennt. Mein Alter Ego, möchte ich fast sagen. Monika Rinck muss man auch kennen, nicht zwangsläufig in der Verbindung mit mir, aber ihre erstaunliche Sprachgewalt sollte einen viel größeren Radius erreichen. Aber seltsam war sie schon, als ich sie live gesehen habe. Profunde Denkerin, grandiose Sprachkünstlerin. Ich unterstelle ihr depressive Phasen. Bestimmt hat sie keinen Mann, aber drei Katzen, die sie hingebungsvoll mit ihrer Mama zusammen pflegt.
Das ist kein Vorwurf. Sehr wahrscheinlich ist das auch meine Zukunft. Ich bedaure das nicht, gibt echt Schlimmeres. Solange da Freunde und Bekannte sind, ist alles safe. Auch die depressiven Phasen. Manchmal rutsche ich ins Nihilistische ab: Was für einen Sinn hat das alles? Und rein, wie ich meine, rational gesehen, hat es wirklich keinen. Klar, jetzt kann ich sagen: „Das Leben hat den Sinn, den du ihm gibst.“ So arg kluge, ich möchte sagen, amerikanische Sprüche finde ich ja prinzipiell doof (genau wie Selfies mit so Sprüchlein dabei – gääähn), aber natürlich stimmt das. Wüsste trotzdem keinen Lebenssinn anzugeben, wenn ich mich jetzt dazu zwänge. Aber egal. Macht mir nix aus. Wenn die Sonne scheint und ich den Bauch voll habe, ist das Leben eh leichter.
Einmal möchte ich ins Kloster gehen, ins Schweigekloster, so eine Woche. Habe Angst vor den gut vergrabenen und verdrängten Gefühlen und Gedanken, die dann aufkommen, hoffe aber auf Katharsis. Wie in so einer griechischen Tragödie. Antigone ist übrigens auch ziemlich geil. (Die Alten, jaja. Alternativ wäre ich auch ein gutes Modell für Rubens gewesen. Schade, dass man nicht in den Zeiten hin- und herspringen kann. Zeitreisen, das wäre was. Ich würde auch in das 15./16. Jahrhundert wollen, Zeit des Aufbruchs, wie genial muss das gewesen sein! Alternativ wäre ich auch damit zufrieden, ein Vogel zu sein. Aber ein etwas größerer, vielleicht eine Krähe, die glänzen so schön.) Und den Jakobsweg will ich gehen, aber das muss richtig gut geplant sein und dafür hatte ich noch nicht den endgültig entscheidenden, großen Drang. Ein eigenes Café steht auch auf der Agenda fürs Leben, da hab‘ ich neulich nach Ladenflächen geguckt, aber es gab nix, was ich für geeignet hielt.
Planen ist sowieso ganz wichtig. Spontaneität konnte mich noch nie wirklich überzeugen. Bin umgekehrt zwar noch nie wirklich auf die Schnauze geflogen, wenn ich spontan war, aber Pläne finde ich beruhigend. Man muss es ja nicht auf die Spitze treiben und für die nächsten sechs Monate wissen, an welchem Wochenende man welchen Freund besucht, aber so einen roten Faden für die Wochenplanung, das mag ich. Aber dann bitte nichts Unvorhergesehenes, ja? Danke.
Ich benutze oft dieselben Floskeln, vor allem „wie gesagt“. Ich hoffe, das fällt nicht so auf.
Wenn ich wütend bin, werde ich sehr aggressiv. Der Dritte Weltkrieg kann da jederzeit ganz schnell aus dem Hut gezaubert werden, die Urkunde liegt stets fertig unterzeichnet da. Dasselbe gilt, wenn ich Hunger habe. Gebt mir Essen und ich bin lieb zu euch. Vom Kaffee bin ich ein bisschen abgekommen, aber eine Tasse am Tag muss sein, weil sonst Kopfschmerzen aus der Hölle. Bin, by the way, auch Migränepatient. Kommt vom Denken und ewigen Anstoß nehmen, sage ich mir immer, genau wie die Tatsache, dass mich im wahrsten Sinne des Wortes alles juckt. Meine Haut ist ein Spiegel meiner Seele und meines Kopfes. Wenn ich irgendwann mal das Gefühl habe, alleine nicht mehr klarzukommen und mich in meiner Welt verstrickt zu haben, dann werde ich zum Psychiater gehen. Ich weiß schon, wo. Der Heilpraktiker hat nur marginal geholfen.
Seit Jahr und Tag hadere ich mit meinem Körper. „It’s the greatest instrument you’ll ever own“, ich weiß das, aber entsprechend gepflegt habe ich ihn nie. Dafür immer mit ihm geschimpft. Ich versuche gerade, dieses Verhältnis ins Positive zu wenden, wir reden mehr miteinander, mein Körper und ich, aber wir sind weit davon entfernt, Freunde zu sein. Das wird noch lange dauern.
Ich liebe es, wenn andere sich, für meine Augen und Ohren, schön ausdrücken. Ich bin nie neidisch (bin ich sowieso nie, was ich für einen großen Segen halte; ich kann auch immer gut schlafen, egal, was ist, was ich als den noch größeren Segen empfinde), ich würde dann nur auch gerne so können. Das Wort ist mir ohnehin das Wichtigste. Aber Schweigen ist auch super, siehe oben. Zum Glück konnte ich immer so denken und fühlen, dass alles, was mir widerfährt, einen Sinn hat. Ich bin kein Zweckoptimist, ich bin Optimist. Passt schon, alles. Ich frage mich immer, warum jemand etwas Bestimmtes tut, aber ich habe mich noch nie ernsthaft gefragt, warum mir eine Sache widerfahren ist. Und wenn doch, dann, muss ich zugeben, wollte ich meine Emotionen ausreizen. Gucken, was geht. Wie tief kann ich absteigen in meine Verzweiflung? Zum Glück nicht allzu tief. Man darf mich oberflächlich nennen, ich fühle mich vom Schicksal geküsst. Ich leide nicht am Leben, das ist gut.
Rasend machen mir immer nur andere Menschen. An denen beiße ich mir regelmäßig die Zähne aus. „Bist du bescheuert?“, wird eine immer öfter und immer lauter gestellte Frage meinerseits. Die Ursachen und Anlässe können unterschiedlichster Art sein; zusammengefasst würde ich sagen: Ignoranz. Und darunter subsumiert Egoismus und Bequemlichkeit. Da blockt Nicoles Geist, das kann er nicht begreifen. Man muss sich nicht jederzeit und allerorten für einen anderen aufopfern, aber zwei, drei Gedanken mehr fassen und dann reden bzw. handeln, das wäre schon echt cool. Grüße an den Penner, der neuerdings täglich meine Tiefgaragenzufahrt zuparkt. (Hab‘ schon böse Zettel an die Windschutzscheibe gehängt, aber der Mann zeigt sich renitent. Nicole d’Arc rüstet sich gerade.)
Ich finde es sinnvoll, einen Blog mit dem Versuch einer Selbstvorstellung zu eröffnen. Man muss schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Und es ist beruhigend, sich gespiegelt zu sehen („Der denkt wie ich! Vielleicht bin ich doch nicht so bekloppt, wie ich befürchtet habe!“. Das fährt runter.). Die Aufstellung lässt sich ergänzen, aber ein erster Eindruck ist geschaffen, denke ich. Was nun noch kommt und wann und wie, das lasse ich mir offen.
Ach ja, Kommentare wären super. Stichwort "Spiegelung" und so. 

2 Kommentare:

  1. Liebe Nicole, wie schön - ein Blog von dir war lange überfällig! Ich freu mich schon auf die kommenden Posts. Alles Liebe, Constanze

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  2. Ich finde die Blogidee ganz wunderbar. Ich finde es auch ganz toll, wie du diese Selbstbeschreibung formuliert hast. Ich freue mich auf die Beiträge, denn deine Facebookbeiträge sorgen immer für einen Lacher und halten zugleich zum Nachdenken an!

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